Liebe Leser!

Nachtigall, ick hör dir trapsen! Dieser Tage flatterten den Stuttgarter Eigentümerhaushalten die Grundsteuerbescheide ins Haus. Beigefügt ein Informationsschreiben von Martin Körner, Leiter Grundsatzreferat Klimaschutz, Mobilität und Wohnen der Landeshauptstadt.

 

So weit, so gut. Ungewöhnlich jedoch: Staatsmännisch lächelt Körner vierfarbig und großformatig dem Leser entgegen. Läuft sich da etwa der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende und gescheiterte OB-Kandidat für die nächste Wahl warm? Wie auch immer, das Foto signalisiert jedenfalls klar: Da hat jemand noch Ambitionen!

 

Wenig ambitioniert zeigt sich hingegen die öffentliche Hand, die von ihr gesetzten Fristen selbst einzuhalten. „Land verfehlt eigene Grundsteuerfrist“, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Erst 10 Prozent der Grundsteuererklärungen für die landeseigenen Objekte seien abgegeben. Stichtag ist übrigens heute.

 

Kommt uns das nicht bekannt vor? Auch beispielsweise bei der Bearbeitung von Bauanträgen werden landauf, landab die Fristen gerissen. Aber wehe, wenn wir Bürger sie nicht einhalten, dann drohen böse Briefe, Sanktionen, Mahngebühren, Verzugszinsen. Es muss Schluss sein mit dem Messen mit zweierlei Maß. Was der Staat von seinen Bürgern, dem Souverän immerhin, fordert, muss er auch selbst hinbekommen.

 

Was wir schon immer wussten: Stuttgart zählt zu den zehn romantischsten Städten Deutschlands. Was niemanden wundert, der beispielsweise schon das Teehaus im Weißenburgpark, die Karlshöhe oder die Grabkapelle auf dem Württemberg aufsuchte.

 

Uns jedenfalls wird es ganz romantisch ums Herz, wenn wir an Sie, unsere Leser, denken. Egal, ob Sie im schönen Stuttgart, dem lieblichen schwäbischen Kernland oder irgendwo in der kargen, rauen Fremde zu Hause sind.

 

Herzlich grüßt Sie (wie Körner mit Foto, auch mit Ambitionen, aber nicht auf ein politisches Amt)

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

Die aktuelle Ausgabe vom 31. Januar 2023 als PDF