Liebe Leser!

Was für ein vernichtendes Urteil! Nur 38 Prozent der befragten Bürger meinen, dass Fritz Kuhn ein guter Oberbürgermeister für Stuttgart war! Dies ermittelte Infratest Dimap im Auftrag der Stuttgarter Zeitung und des Südwestrundfunks. 49 Prozent sagten, er sei kein guter OB gewesen, 13 Prozent waren unentschieden oder wollten keine Antwort geben. 

 

Von den Anhängern seiner Grünen-Partei stellten ihm 63 Prozent ein gutes Zeugnis aus, fast ein Viertel ein schlechtes. Mit dem Verzicht auf eine erneute Kandidatur, die im Januar auch die eigene Partei überraschte, könnte sich Kuhn also zumindest eine Wahl-niederlage erspart haben.

 

Für Stuttgart bleibt seine Amtszeit eine Episode, der oder die neue im Amt muss wieder eine Epoche einläuten – vor allem aber den Scherbenhaufen zusammenkehren und die gewaltigen Aufgaben lösen. Verkehr/Mobilität mit 28 Prozent der Nennungen und Wohnraum/Mieten mit 23 Prozent bezeichneten die Bürger bei der besagten Befragung als die drängendsten Probleme. Selbst das originäre Grünen-Thema Umweltschutz/Klimawandel lag als ungelöst mit 13 Prozent auf Rang drei.

 

Wir brauchen eine gründliche Analyse, was in den Kuhn-Jahren schiefgelaufen ist, damit der neue OB es besser machen kann. Und der Gemeinderat, ist hinzuzufügen.

 

Hinterfragt werden muss auch das Dogma der nahezu ausschließlichen Fokussierung auf die Innenentwicklung. Empirica hat erst dieser Tage wieder betont, dass mehr Wohnungsbau auch für Entspannung an der Preisfront sorgt.

Kein absolutes Tabu gibt es auch diesbezüglich für Veronika Kienzle, die sich im Interview mit uns erfrischend offen und uneitel zeigte sowie auf markige Versprechungen verzichtete. Bei der Frage, welcher Kandidat für Stuttgart ein guter OB wäre, erhielt sie mit 25 Prozent die höchste Zustimmung. Es folgten Frank Nopper (24 Prozent), Martin Körner (23 Prozent), Hannes Rockenbauch (19 Prozent), Marian Schreier (18 Prozent) und Malte Kaufmann (4 Prozent). Zu den anderen Bewerbern wurden die Bürger unverständlicherweise nicht befragt.

 

Bis zur Wahl am 8. November müssen die Kandidaten ihr Profil schärfen und die richtigen Schlüsse aus dem Kuhn-Desaster ziehen. Das gilt dann auch für die Wähler. Mit einem guten OB sind acht Jahre eine kurze Zeit, mit einem schlechten eine Ewigkeit.

 

 

Herzlich grüßt Sie

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

Die aktuelle Ausgabe vom 20. Oktober 2020 als PDF