Liebe Leser!

Die Episode Fritz Kuhn ist vorbei. Ob jetzt die Epoche Frank Nopper im Stuttgarter Rathaus beginnt, ist weniger eine Frage der Jahre als eine der Taten.

 

Wir haben uns beim Amtsantritt von Kuhn 2013 auf eine offene Diskussionskultur gefreut. Das Gegenteil war der Fall. Wichtige Entscheidungen wurden zu oft im kleinsten Kreis getroffen, am Gemeinderat und an den Amtsleitern vorbei. Kritik galt als Majestätsbeleidigung. Wenn Nopper das ändert, hat er die große Chance, die Menschen zu begeis-tern und mitzunehmen.

 

Kuhn konnte spalten und brüskieren. Unvergessen, wie er bei der Eröffnung der Einkaufszentren Gerber und Milaneo öffentlich darauf hinwies, dass er beide in dieser Größe nicht genehmigt hätte. Ein Stadtoberhaupt hat alle demokratisch und rechtsstaatlich getroffenen Entscheidungen zu akzeptieren und respektieren.

 

Gerne wies Kuhn auch Unternehmergrößen an, doch bitteschön öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Zur Expo Real im Oktober 2014 reisten Kuhn und sein damaliger Baubürgermeister Matthias Hahn mit dem Auto an – und zwar getrennt, jeder mit eigenem Fahrer. ECE-Chef Alexander Otto hingegen benutzte – wie wir auch – für die Fahrt von München zur Milaneo-Eröffnung den ICE (Immobilienbrief Stuttgart Nr. 158).

 

Es besser zu machen, sollte für Nopper ein Leichtes sein. Dass er OB kann, hat er lange genug in Backnang bewiesen. Es richtig gut zu machen, ist eine Herkulesaufgabe. Respekt vor dem, der diese auf sich nimmt. Die Landeshauptstadt Stuttgart zu steuern ist etwas anderes als das beschaulichere Backnang.

 

„Nopper ist CDU-Mitglied, doch noch nie dürfte ein Stuttgarter OB dieser Partei mit so viel sozialistischem Gedankengut, speziell die Immobilienbranche und den Wohnungsmarkt betreffend, angetreten sein“, haben wir an dieser Stelle vor zwei Ausgaben geschrieben und für Wirbel gesorgt. Eine Verwarnung, wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) geschrieben hat, war dies keineswegs. Nur eine Feststellung, unter anderem der Tatsache geschuldet, dass Nopper Milieuschutzsatzungen für denkenswert hält. Hier gibt es tauglichere Instrumente.

 

Wir jedenfalls freuen uns auf Frank Nopper. Auf einen offenen, in der Sache durchaus auch manchmal harten, aber menschlich immer fairen und wertschätzenden Dialog. Ganz ohne gegenseitige Verwarnungen oder Ähnliches. Und immer im Interesse der gesamten Stadt, der Metropolregion und ihrer Bevölkerung. Wir sind nicht die Immobilienlobby, wie der geschätzte StZ-Kollege schrieb, sondern Bürger und Fan der Metropolregion. Die Immobilienbranche ist nicht der Nabel der Welt, sondern ein Teil, wenn auch ein wichtiger, des Ganzen, dem sie zu dienen hat.

 

 

Herzlichst und mit den besten Wünschen für 2021 grüßt Sie alle

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

Die aktuelle Ausgabe vom 12. Januar 2021 als PDF