Liebe Leser!

1 Milliarde Euro oder doch 1,5 Milliarden? Die geplante Sanierung der Stuttgarter Oper ist wieder in den Schlagzeilen.

 

Die Sanierung und Verlängerung des denkmalgeschützten Littmann-Baus, der Abriss und Neubau des Kulissengebäudes sowie der Bau einer Übergangsspielstätte bei den Wagenhallen soll 1 Milliarde Euro kosten. Stand von vor zwei Jahren. Werden es am Ende 1,5 Milliarden Euro oder mehr? Die Referenzen der öffentlichen Hand als effektiver Projekt- und Kostenmanager sind nicht die besten, vorsichtig formuliert.

 

Die Ausstattung der Schulen ist teils unwürdig, die Flüchtlingsheime laufen über und die Schlangen an den Tafeln werden immer länger. Und dann eine Summe, die sich ein Normalsterblicher nicht einmal vorstellen kann, für die Sanierung einer Spielstätte, die nur von wenigen besucht wird und deren Unterhalt dazu noch hochsubventioniert ist?

 

Hinzu kommt, dass die Verlängerung des Littmann-Baus ein baulicher Eingriff in ein Denkmal darstellt, der im Grunde nicht zu verantworten ist. Und: Laut Umfrage wollen über 70 Prozent der Befragten eine Neuplanung. Über 70 Prozent! Politisch würde man das mehr als eine satte Mehrheit nennen.

 

Das Projekt muss nochmals auf „Los“. Das Operngebäude könnte auch für weniger Geld saniert werden und dann für technisch weniger anspruchsvolle kulturelle Zwecke dienen. Milliardär Michael Kühne wollte in Hamburg für 400 Millionen Euro eine neue Oper bauen, dann werden wir das für diese Summe wohl auch hinbekommen. Und wenn 1 Milliarde Euro oder mehr ausgegeben werden sollen, dann muss dies durch einen breiten Konsens der Bürger getragen werden. Bürgerentscheide sind nicht immer sinnvoll, in diesem Fall schon, denn der Bürger ist letztendlich derjenige, der die Zeche zahlt.

 

Manchmal wird auch mit den Füßen abgestimmt. Eine andere Umfrage zeigt, dass die Region Stuttgart aufgrund der hohen Wohnkosten Arbeitnehmer verliert. Einer der Gründe: Es werden zu wenig Bauplätze ausgewiesen. Die Politik müsse ihre Hausaufgaben machen. Warum gehen die Arbeitgeber und ihre Verbände nicht auf die Barrikaden und der Politik auf den Senkel? Unverständlich!

 

Bis Weihnachten, dem Fest der Liebe, ist es zwar nur noch etwas über einen Monat hin, für uns aber die Chance, noch zwei weitere Ausgaben unbequem zu sein. Die werden wir nutzen. Versprochen!

 

Herzlich grüßt Sie

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

Die aktuelle Ausgabe vom 22. November 2022 als PDF