Liebe Leser!

Manchmal werden im Stuttgarter Rathaus sogar Zähne gezogen. Dies zumindest im übertragenen Sinne. So wurde jüngst durch die Macht des Faktischen, oder schlichter formuliert, durch nüchterne Zahlen, die Illusion zerstört, preiswerter Wohnungsbau sei möglich.

 

Eine Kostenmiete von rund 14,50 Euro und einen Verkaufspreis von mindestens 5500 Euro nannten Vertreter der freien Wohnungswirtschaft, Genossenschaften und städtischer SWSG. Und dies bei einer Rendite von 3 bis 4 Prozent und einer
Marge von 8 Prozent.

 

Damit wurde quasi nebenbei eine gerne aufgestellte weitere Behauptung widerlegt: Dass sich die Bauträger die Taschen vollstopfen und vor lauter Gewinnmitnahme gar nicht mehr aufrecht laufen können. Zu den genannten Renditen und Margen würden die meisten Produktionsunternehmen ihre Maschinen erst gar nicht einschalten. Es sei ihnen gegönnt.

 

Inzwischen ist es sogar so, dass zumindest im Umland von Stuttgart Bauvorhaben nicht realisiert werden, weil die Bauträger daran zweifeln, die gestiegenen Grundstücks- und Baukosten über die Verkaufspreise ausgleichen zu können. Uns sind drei Fälle bekannt, es gibt bestimmt weitere. So ist dem Wohnungsmangel nicht beizukommen.

 

Das Stuttgarter Rathaus und die Immobilienbranche reden miteinander. Konstruktiv. Dies ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Zahlen und Fakten müssen auf den Tisch, nur gemeinsam und vorurteilsfrei können die Probleme gelöst werden. Und dazu zählen ganz zuvorderst der Wohnraummangel und die hohen Kauf- und Mietpreise. Es gab eine Zeit, da waren die Fronten verhärtet. Dass sich das geändert hat, ist ganz wesentlich dem Branchenverband IWS und Baubürgermeister Peter Pätzold zu verdanken.

 

Zarte Flötentöne schlagen wir hier im Editorial eher weniger an. Pauke und Trompete kommen hingegen regelmäßig zum Einsatz. Aber wir können auch schmusig sein. Hält das Miteinander an, nehmen wir gerne Harfenunterricht. Jetzt aber gehen wir erst einmal in die Sommerfrische, bis zum 10. September.

 

Fröhlich und friedlich grüßt

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

 

Die aktuelle Ausgabe vom 05. August 2019 als PDF