Liebe Leser!

Der VfB spielt bald wieder erstklassig. Von der Stuttgarter Wohnungspolitik kann man das leider nicht behaupten! Nur 924 Wohnungen wurden voriges Jahr netto fertiggestellt. Für eine Große Kreisstadt wäre das sehr ordentlich. Für eine Landeshauptstadt mit Wohnraummangel ist es ein Desaster. Eine schallende Ohrfeige! Ein Armutszeugnis! Komplettversagen!

 

1800 Einheiten jedes Jahr hat sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn selbst zum Ziel gesetzt. Schon das ist wenig ambitioniert im Vergleich zu dem, was andere Metropolen in Deutschland leisten. Trotzdem wurde dies in seiner Amtszeit nur 2016 mit 1906 Wohnungen und 2017 mit 2039 Einheiten erreicht.

 

Dem OB dies alleine anzukreiden, ist trotzdem falsch. Das Elend hat jedes Ratsmitglied mit zu verantworten, das die inhaltliche Linie des Stadtoberhaupts mitgetragen hat. Jetzt kommt auch noch hinzu, dass sich wohl die Bebauung des Baufelds B im Rosensteinquartier um Jahre verzögert. Eidechsen. Hat ja keiner ahnen können …

 

Wir brauchen dringend einen Ruck! Wir müssen die Stadt systematisch nach Baulücken durchforsten und das Gespräch mit den Eigentümern suchen. Wir müssen dichter und höher bauen. Wir müssen Vorschriften entschlacken und den digitalen Bauantrag einführen. Wir müssen maßvoll neue Baugebiete am Rand ausweisen und benötigen einen Masterplan für die gesamte Region.

 

Wir müssen aber auch die Baubehörden zu einem Dienstleistungszentrum umbauen. Wir müssen den Mitarbeitern dort Wertschätzung entgegenbringen, sie benötigen eine inspirierende Arbeitsumgebung, eine zeitgemäße technische Ausstattung und ein entsprechendes Gehalt. Ohne Power und Motivation auf Behördenseite geht es nicht. Die höheren Kosten werden über höhere Gebühren amortisiert, Einkommensteuerzuweisungen und Gewerbesteuereinnahmen für den Stadtsäckel kommen hinzu.

 

Hat Kuhn noch die Energie für den Ruck? Ein kraftvoller Abschied wäre ihm und vor allem Stuttgart zu wünschen. Wenn nicht, muss es – neben vielem anderen – sein Nachfolger richten. Wir starten eine kleine Interviewserie mit den OB-Kandidaten und beginnen mit Marian Schreier, der die Stadt neu denken will.

 

Zugegeben, Politik ist oft ein zähes Geschäft und zu gestalten ist schwerer, als dies einzufordern. Insofern haben wir den einfacheren Job. Doch die Spielregeln sind bekannt, keiner muss OB, doch wenn er will und es wird, dann muss er oder sie auch liefern. Das dürfen, nein, das müssen wir fordern! Für Sie.

 

Herzlichst grüßt Sie

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

 

Die aktuelle Ausgabe vom 07. Juli 2020 als PDF