Liebe Leser!

Die Tätigkeit eines Gemeinderats – dies insbesondere in der großen Landeshauptstadt Stuttgart – ist so kompliziert und komplex, das kann so ein kleines, simpel konstruiertes Journalistenhirn gar nicht nachvollziehen. In der hohen Politik hängt doch alles irgendwie zusammen. Oder auch wieder nicht …

 

Außenverdichtung wollen nicht alle Fraktionen im Stuttgarter Rathaus. Das haben wir verstanden. Aber alle sind für Innenverdichtung. Mit Augenmaß aufstocken, Dachböden ausbauen und dort Wohnraum schaffen. Das glaubten wir verstanden zu haben.

 

Um dies zu fördern, den Dachausbau beispielsweise, hat die Stadt ein mit 2,4 Millionen Euro dotiertes Förderprogramm aufgelegt. Es gibt bis zu 20 Prozent Zuschuss auf die Baukosten.

 

Gleichzeitig haben die Räte in ihrer unergründlichen Weisheit im Ausschuss für Umwelt und Technik beschlossen, eine Milieuschutzsatzung für Heslach und den Seelberg aufzustellen. Die Begründung in der Vorlage der Verwaltung: „In dem vom Abgrenzungsplan erfassten Bereich wurden durch eine Eigentümerin umfangreiche Maßnahmen an ihrem Gebäudebestand (aktuell zirka 300 WE) angekündigt. Die vorliegende Machbarkeitsstudie beinhaltet neben dem Anbau von Balkonen an die bestehenden Gebäude auch Dachaufstockungen und Dachgeschossausbauten an mehreren Gebäuden. Im Zuge dieser Maßnahmen ist mit umfassenden Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen an den Bestandsgebäuden zu rechnen.“

 

Was jetzt? Innenverdichtung ja oder nein? Dachausbau einerseits fördern wollen und andererseits mittels Satzung torpedieren? Und ist ein Balkon Luxus?

 

Jeder Kundige weiß, dass ein Dachausbau inzwischen der teuerste Quadratmeter ist. Mit Brandschutzauflagen und neuem Dach kommen da schnell 3000 Euro zusammen. Warum soll dieser ZUSÄTZLICHE Wohnraum nicht zu Marktpreisen vermietet werden dürfen? Die Aversionen im Rathaus gegen die Eigentümerin der etwa 300 Wohnungen auf dem Seelberg könnten damit begründet sein, dass es sich um die Vonovia handelt. Das Unternehmen gilt als Lieblingsfeind von beispielsweise OB Kuhn und dem Mieterverein.

 

Gönnt den Mietern ihren Balkon und begreift endlich, dass Wohnraum schaffen ganz ohne bauen und kostenlos nicht geht.

 

Kopfschüttelnd grüßt

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

 

Die aktuelle Ausgabe vom 12. Februar 2019 als PDF