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Schnell ist nicht immer gut. Die LBO-Novelle sieht vor, dass ab 2021 Bauanträge nur noch digital eingereicht werden können. Das Ziel ist richtig, doch der Zeithorizont ist zu ambitioniert. Das schaffen die Gemeinden nicht, auch die Immobilienwirtschaft selbst dürfte überfordert sein. Wir brauchen eine längere Übergangsfrist. Daran soll wohl gearbeitet werden.

 

„Es ist wirklich unglaublich, wie stümperhaft das Thema Digitalisierung durchgesetzt werden soll“, fasst es eine Top-Führungskraft aus der Branche zusammen, die ihren Namen hier nicht lesen will. Digitalisierung bedingt einheitliche Standards und Prozesse. Die sollten schnellstmöglich im Konsens aufgesetzt werden.

 

Die Vernunft hat gesiegt. 57,9 Prozent haben in Schwieberdingen einem 23 Hektar großen regionalen Gewerbeschwerpunkt zugestimmt. Porsche will hier Teile des elektrisch betriebenen Sportwagens Taycan fertigen. Dass der Bürgerentscheid positiv ausging, macht Hoffnung. So wirtschaftsfeindlich ist die Bevölkerung also gar nicht, wenn auch ein höheres Ergebnis wünschenswert gewesen wäre.

 

Die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten mögen mit zum erfolgreichen Ausgang der Bürgerbeteiligung beigetragen haben. Der Handelsstreit zwischen USA und China sowie der drohende harte Brexit wirken sich auch hierzulande aus. Der Maschinenbau spürt es in den Auftragsbüchern, Daimler sprach dieses Jahr schon seine zweite Gewinnwarnung aus, eine Folge der Dieselaffäre, aber auch sinkender Verkaufszahlen.

 

Unser Wohlstand beruht auf Leistung, aber auch auf einem wirtschaftsfreundlichen Grundkonsens. Daran hat sich die Bevölkerung Schwieberdingens erinnert, daran müssen wir uns aber auch erinnern, wenn es anderswo um die Ansiedlung von Gewerbe, vor allem Logistik, geht. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, das funktioniert leider nicht.

 

Allerdings muss auch die Industrie einen stärkeren Beitrag zur Ressourcenschonung leisten. Mehrstöckige Produktion und Logistik, Parkhäuser statt riesiger Parkflächen sowie bessere Ausnutzung von Betriebsarealen sind die Stichworte.

 

Wir brauchen Konsens und Kompromisse – auf beiden Seiten. Gemeinsam sollten wir es schaffen, den Wohlstand zu bewahren UND die Lebensqualität des schwäbischen Kernlandes!

 

Herzlich grüßt Sie

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

 

Die aktuelle Ausgabe vom 23. Juli 2019 als PDF

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