Liebe Leser!

„Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt.“ Dieser alte Sponti-Spruch mag überzogen sein, richtig und wichtig ist aber, Missstände offen anzusprechen. Die Kultur der Freude über jeden Bauantrag gibt es im Stuttgarter Rathaus nicht überall. Dafür gibt es bei Bauwilligen eine Unkultur der Angst, nach Beschwerden, öffentlichen gar, sanktioniert zu werden.

 

Das muss sich ändern. „Das gemeinsame Ziel, die Schaffung von Wohnraum, ist leider verloren gegangen“, beklagt Erich Hildenbrandt. Wir wollen mit dazu beitragen, dass sich das ändert und in nächster Zeit den Schwerpunkt unserer Berichterstattung darauf legen. Wir werden aber nicht nur anprangern, sondern auch loben und versuchen, einen Prozess der Annäherung in Gang zu setzen. Dies im Interesse Stuttgarts, der Bauwilligen und der vielen motivierten und fleißigen Mitarbeiter im Rathaus.

 

Denn der Wohnungsmangel wird sich verschärfen. Wir sehen bereits jetzt sehr viele zurückgestellte Bauvorhaben, andere verzögern sich, manche geraten in Schieflage. Wir werden auch in Stuttgart Insolvenzen von Bauherren erleben. Sorge bereitet auch die finanzielle Verfassung der Adler-Group und damit verbunden die Frage, wie es beim Schwabenlandtower in Fellbach und beim Eiermann-Areal weitergeht. Das Letztere hätte die Stadt Stuttgart einst für kleines Geld kaufen können.

 

Die Diskussion über Wohnungsbau ja oder nein auf den Arealen des Kaufhof-Parkhauses und des Kaufhauses selbst geht in die falsche Richtung. OB Frank Nopper würde gerne ein Haus der Kulturen realisieren, die Signa Büros für die Landeszentralbank. Für Wohnungen wäre jeweils kein Platz.

 

Dabei zeigt der Vorgang vor allem das, was der Immobilienbrief Stutt-gart bereits bei der Einführung von SIM kritisiert hat: Die Regeln sind zu unflexibel (Immobilienbrief Stuttgart Nr. 74). Selbstverständlich benötigen wir Wohnraum in der Innenstadt, dringend sogar. Aber nicht zwingend auf jeder Parzelle. Wenn bei einem Projekt aus wichtigen Gründen weniger oder kein Wohnraum geschaffen werden kann, dann eben anderswo. Dies funktioniert in anderen Städten und dies hat in Stuttgart übrigens beim Europaviertel ebenfalls hervorragend und geräuschlos geklappt.

 

In Düsseldorf haben wir uns gefreut, dass dort die Bahn Werbung für Reisen in das schwäbische Kernland macht. Und wir haben uns gewundert. „In die Schwäbische Alb“ wollen sie dort fahren. Das muss mit der Bergwerkstradition in NRW zu tun haben. Wir jedenfalls fahren auf die Schwäbische Alb. Der höchste Gipfel dort ist immerhin knapp 1016 Meter hoch, eine ganze Menge für einen Düsseldorfer (38 Meter).

 

Herzlich grüßt, auch auf die Alb und nach NRW

 

Ihr Frank Peter Unterreiner, Herausgeber

 

Die aktuelle Ausgabe vom 10. Mai 2022 als PDF